Verein Journalismus und Wissenschaft

Postliberale Ökonomie: Ein deutsches Erfolgsmodell? 

Ja zur Frei­heit! Ja zum Wett­be­werb! Aber „Nein“ zum „Libe­ra­lis­mus“! Wie paßt das zusam­men? Und: Geht das überhaupt?

Ende des 20. Jahr­hun­derts erreich­te der Libe­ra­lis­mus sei­nen his­to­ri­schen Höhe­punkt und schien alle ideo­lo­gi­schen Kon­tra­hen­ten besiegt zu haben. Inzwi­schen hat sich das Blatt aller­dings gewen­det. Selbst in den USA domi­nie­ren „Post­li­be­ra­le“ den Dis­kurs. In Deutsch­land zeigt sich zudem, daß der Libe­ra­lis­mus nur dann über­le­ben dürf­te, wenn er sein Wachs­tums­ver­spre­chen nach Jah­ren der wirt­schaft­li­chen Sta­gna­ti­on wie­der erfül­len kann.

Kein Ende der Geschichte trotz Überalterung

Armin Moh­ler, Vor­den­ker der Neu­en Rech­ten, brach­te 1988 in sei­nem berühm­ten und noch heu­te erhält­li­chen Essay Gegen die Libe­ra­len zum Aus­druck, wes­halb der Libe­ra­lis­mus kei­nes­wegs das „Ende der Geschich­te“ (Fran­cis Fuku­ya­ma) ein­läu­ten kann. Er erklärte:

Das eigent­li­che poli­ti­sche Pro­blem des Libe­ra­lis­mus ist, daß eine libe­ra­le Pra­xis nur mög­lich ist, wenn gewis­se Tra­di­ti­ons­be­stän­de an Gewohn­hei­ten und tief ein­ge­ras­te­ten Sit­ten noch vor­han­den sind, mit deren Hil­fe die Gesell­schaft ihre Schwie­rig­kei­ten meis­tert. Salopp gespro­chen: sechs kon­ser­va­ti­ve Jahr­hun­der­te erlau­ben es zwei Gene­ra­tio­nen, libe­ral zu sein, ohne Unfug anzu­rich­ten. Sind aber jene Bestän­de in der per­mis­si­ven Gesell­schaft ein­mal auf­ge­zehrt, so wer­den die best­ge­mein­ten libe­ra­len Paro­len zu Feu­er­lun­ten.“[1]

Der Libe­ra­lis­mus hal­te sich „an sei­ner Bil­der­buch­welt fest“, in der „alles sei­ne glat­te Lösung fin­det“[2], kri­ti­sier­te Moh­ler wei­ter. Das Grund­ge­setz sei zum Bei­spiel nicht mehr als eine „Quel­le der Heu­che­lei“, weil der kon­se­quen­te Schutz der Meinungs‑, Ver­samm­lungs- und Pres­se­frei­heit an „Uner­füll­bar­keit“ schei­tern wür­den.[3]

Man könn­te die Dis­kus­si­on über den Libe­ra­lis­mus frei­lich auch abkür­zen. Wie die letz­ten fünf Jahr­zehn­te lei­der bewie­sen haben, ist er nicht in der Lage, das Über­le­ben des eige­nen Vol­kes zu sichern. Solan­ge kei­ne Lösung für die­ses exis­ten­ti­el­le Pro­blem des lang­sa­men Aus­ster­bens der Deut­schen, das in der Wis­sen­schaft ver­harm­lo­send und ver­schlei­ernd als „demo­gra­phi­scher Über­gang“ bezeich­net wird, in Sicht ist, erüb­rigt sich eigent­lich jede wei­te­re Befas­sung mit mög­li­chen Vor­zü­gen libe­ra­ler Gesell­schaf­ten. Wenn die Paro­le „Mein Bauch gehört mir“ zur Tötung von jähr­lich rund 100.000 unge­bo­re­nen Kin­dern allein in Deutsch­land führt, dann ist das eben eine rein nega­ti­ve Frei­heit der Zer­stö­rungs­wut. Man kann auch Städ­te von ihrer Archi­tek­tur „befrei­en“. Die Trüm­mer­wüs­ten haben aller­dings erkenn­bar über­haupt nichts mit Frei­heit zu tun. Die Bereit­schaft der Trüm­mer­frau­en, ein gan­zes Land nach der Zer­stö­rung pflicht­be­wußt wie­der auf­zu­bau­en, zeigt hin­ge­gen, daß freie Ent­schei­dun­gen immer eige­ne Anstren­gun­gen voraussetzen.

An Libe­ra­lis­mus gehen die Völ­ker zugrun­de“, pos­tu­lier­te Arthur Moel­ler van den Bruck, einer der wich­tigs­ten Publi­zis­ten der Kon­ser­va­ti­ven Revo­lu­ti­on, pro­phe­tisch zu die­sem Dilem­ma der Gebur­ten­ver­wei­ge­rung eman­zi­pier­ter Men­schen. Moh­ler sah dar­in kei­nen „Schluß­strich“, son­dern eine „Mah­nung“, denn der „deut­sche Geist“ habe „sich immer wie­der der Zwangs­ja­cken“ ent­le­di­gen kön­nen.[4] Die Schwie­rig­keit, die­se Zwangs­ja­cke abzu­wer­fen, hat etwas mit öko­no­mi­schen Fehl­an­nah­men zu tun. Die Sta­bi­li­tät des Libe­ra­lis­mus in den letz­ten Jahr­zehn­ten beruh­te auf dem Wohl­stand der Men­schen in der west­li­chen Welt, die erst in den kom­men­den Jahr­zehn­ten – also zeit­ver­setzt – die vol­le Wucht der Über­al­te­rung ihrer Gesell­schaf­ten zu spü­ren bekom­men werden.

Die­ser Wohl­stand konn­te nur durch wei­test­ge­hend freie Märk­te erwirt­schaf­tet wer­den. Das ist rich­tig. Der Libe­ra­lis­mus als Ideo­lo­gie neigt aber dazu, „das alte Frei­heits­pa­thos“ nur noch als Lip­pen­be­kennt­nis zu nut­zen, wäh­rend im Hin­ter­grund ein Gesell­schafts­um­bau statt­fin­det, der den vor­ge­ge­be­nen Zie­len wider­spricht. Weit­sich­tig erkann­te Moh­ler, daß so „eine Kon­su­men­ten­ge­sell­schaft von erheb­lich abge­senk­tem Wohl­stands­ni­veau“ ent­steht, „die durch das Spiel der Inter­es­sen­ver­bän­de regu­liert wird“.[5] In den ärme­ren Neu­en Bun­des­län­dern hat­ten das vie­le Bür­ger schon län­ger durch­schaut. Ange­sichts der rasan­ten De-Indus­tria­li­sie­rung scheint sich nun auch die Stim­mung in West­deutsch­land zu drehen.

Vor die­sem Hin­ter­grund ist es erfor­der­lich, in einem ers­ten Schritt eine dif­fe­ren­zier­te und detail­lier­te Bilanz des geschei­ter­ten Libe­ra­lis­mus unter öko­no­mi­schen Gesichts­punk­ten vor­zu­le­gen, die über das von Armin Moh­ler Gesag­te hin­aus­geht. Die fol­gen­den The­sen sol­len dazu dienen:

  1. Der Libe­ra­lis­mus ist geschei­tert, obwohl er sei­ne volks­wirt­schaft­li­che Funk­ti­ons­tüch­tig­keit bewie­sen hat.

Im Zwei­fel für den Ange­klag­ten ist davon aus­zu­ge­hen, daß welt­weit und auch in den west­li­chen Natio­nen ein Mini-Wirt­schafts­wachs­tum mög­lich sind. Das gilt selbst für Deutsch­land, sofern die Regie­rung ihren Plan zur Welt­kli­ma­ret­tung auf­gibt, die Unter­neh­mens­steu­ern senkt und Büro­kra­tie abbaut.

Die „schöp­fe­ri­sche Zer­stö­rung“ (Joseph Schum­pe­ter) funk­tio­niert nach wie vor, auch wenn im Zeit­al­ter der Künst­li­chen Intel­li­genz eben­so wie schon im vor­he­ri­gen Zeit­al­ter der Platt­form­öko­no­mie die Zahl der Gewin­ner immer klei­ner wird und es die viel­leicht berech­tig­te Sor­ge gibt, die Zahl der Ver­lie­rer könn­te stei­gen. Wirt­schaft ist trotz­dem kein Null­sum­men­spiel. Des­halb kann es durch­aus sein, daß in den Sta­tis­ti­ken zwar ein Mini-Wachs­tum aus­ge­wie­sen wer­den kann, wäh­rend zeit­gleich die Ver­lust­ängs­te zunehmen.

Ähn­li­ches ist über die Finanz­märk­te zu sagen: Die gigan­ti­sche glo­ba­le Welt­ver­schul­dung von  353 Bil­lio­nen US-Dol­lar (davon 100 Bil­lio­nen Dol­lar Staats­schul­den) macht jeder­zeit einen Crash mög­lich. Zur Wahr­heit gehört jedoch auch: Die letz­ten Mini-Crashs an der Bör­se sind eher ein Zei­chen für das gute Funk­tio­nie­ren der Finanz­märk­te. Als US-Prä­si­dent Donald Trump an sei­nem „Libe­ra­ti­on Day“ im April 2025 der gan­zen Welt Zöl­le ankün­dig­te, bra­chen die Märk­te ein und zwan­gen Trump zu einem „Taco-Trade“, also einem Rück­zie­her. Selbst der for­mal mäch­tigs­te Mann der Welt ist somit einer sinn­vol­len Gewal­ten­tei­lung zwi­schen Poli­tik und Finanz­märk­ten unterworfen.

Bei einer wirt­schaft­li­chen Schief­la­ge gibt es zudem immer die Mög­lich­keit, den Glo­bal­ka­pi­ta­lis­mus mit Geld­so­zia­lis­mus – also Null­zin­sen – am Leben zu erhalten.

  1. Der Libe­ra­lis­mus ist außen­wirt­schaft­lich gescheitert.

Der ver­gleichs­wei­se guten volks­wirt­schaft­li­chen Bilanz des Libe­ra­lis­mus ste­hen desas­trö­se Resul­ta­te sowohl in der Außen­wirt­schaft als auch in der Regio­nal­wirt­schaft gegen­über. Zunächst zur Außen­wirt­schaft: Der Libe­ra­lis­mus war in Bezug auf Ruß­land, Chi­na und alle Ent­wick­lungs­län­der über­zeugt davon, „Wan­del durch Han­del“ ein­lei­ten zu kön­nen. Das hat sich inzwi­schen als illu­so­risch her­aus­ge­stellt. Die Reak­ti­on dar­auf waren Sank­tio­nen gegen­über der nicht-libe­ra­len Welt. Die­se Sank­tio­nen tref­fen in ers­ter Linie die Mit­tel­schicht. Nach libe­ra­len Vor­stel­lun­gen soll­te aber aus­ge­rech­net die­se Mit­tel­schicht gegen die Herr­scher in ihren Staa­ten rebel­lie­ren. Weder in Ruß­land noch im Iran oder in Chi­na ist die­se Rech­nung auf­ge­gan­gen. Auch in armen Staa­ten wie Afgha­ni­stan haben die mili­tä­ri­schen Regime-Chan­ge-Ver­su­che des Wes­tens defi­ni­tiv mehr Kos­ten als Nut­zen verursacht.

Die „unters­te Mil­li­ar­de“ der Welt­be­völ­ke­rung ist indes immer wei­ter zurück­ge­fal­len. Die vom Libe­ra­lis­mus behaup­te­te zuneh­men­de Kon­ver­genz zwi­schen rei­chen und armen Staa­ten bzw. der soge­nann­te „Catch-up-Effekt“ (Auf­ho­len) sind somit wider­legt.[6]

Wie wir in unse­rer Druck­aus­ga­be über den Wirt­schafts­krieg erklärt haben, muß vor der unsicht­ba­ren Hand des Mark­tes immer die „unsicht­ba­re Faust“ ein­ge­setzt wer­den. Die­se unsicht­ba­re Faust mili­tä­ri­scher Macht erhöht die Kos­ten des Ein­sat­zes von Gewalt auf der Gegen­sei­te. Wir lan­den somit bei der rea­lis­ti­schen Theo­rie der inter­na­tio­na­len Bezie­hun­gen. Die­se Theo­rie geht von Anar­chie zwi­schen den Staa­ten aus. Es ist nicht mög­lich, eine frei­heit­li­che Welt­re­gie­rung zu instal­lie­ren. „Ein Welt­staat kann nur in einer Tyran­nei enden“, wis­sen wir von Han­nah Are­ndt.[7] Krieg bleibt somit die „Ulti­ma Ratio“ der Strei­tig­kei­ten zwi­schen Natio­nen. Im Gegen­satz dazu glaub­te die libe­ra­le Theo­rie an die Wirk­sam­keit supra­na­tio­na­ler Insti­tu­tio­nen. Die­se supra­na­tio­na­len Insti­tu­tio­nen haben sich alle­samt als zahn­lo­se Tiger erwiesen.

  1. Der Libe­ra­lis­mus ist regio­nal­wirt­schaft­lich gescheitert.

Der Grund für den aus­ge­blie­be­nen Auf­hol­ef­fekt ärme­rer Natio­nen ist neben Regie­rungs­ver­sa­gen in den Kos­ten der letz­ten Mei­le zu fin­den. Ein Online-Händ­ler muß für die­se letz­te Mei­le bis vor die Haus­tür mit über 50 Pro­zent der gesam­ten Trans­port­kos­ten kal­ku­lie­ren. Mit jedem fehl­ge­schla­ge­nen Zustell­ver­such wird die­ses ein­zel­ne Geschäft sofort unrentabel.

Was für den Online-Han­del gilt, läßt sich lei­der auch auf dünn besie­del­te Regio­nen anwen­den. Der Kapi­ta­lis­mus lebt von den Leucht­tür­men mit ihren Agglo­me­ra­ti­ons­ge­win­nen. Die Peri­phe­rie – auch in wohl­ha­ben­den Staa­ten – bleibt hin­ge­gen auf der Stre­cke. Es lohnt sich nicht, Bus­se in länd­li­che Regio­nen fah­ren zu las­sen. Es lohnt sich nicht, dort die Infra­struk­tur aus­zu­bau­en oder Hoch­schu­len anzusiedeln.

Alle dies­be­züg­li­chen Kor­rek­tur­maß­nah­men sind ein ein­zi­ges wirt­schaft­li­ches Desas­ter. Ein Bei­spiel dafür sind die Struk­tur­wan­del-Mit­tel für die Koh­le­re­gio­nen. In der Lau­sitz sind mit gut zehn Mil­li­ar­den Euro an För­der­mit­teln bis­her nur 29 neue Arbeits­plät­ze ent­stan­den, wäh­rend über 13.000 Indus­trie-Arbeits­plät­ze ver­lo­ren­gin­gen.[8] Das ist wohl­ge­merkt kein Plä­doy­er dafür, die Regio­nal­ent­wick­lung ein­zu­stel­len. Es geht an die­ser Stel­le nur um die nie­der­schmet­tern­de Tat­sa­che, daß der Libe­ra­lis­mus regio­nal­wirt­schaft­lich geschei­tert ist.[9]

  1. Der Libe­ra­lis­mus ist geschei­tert, weil er eine Bas­tard­mo­der­ne her­vor­ge­bracht hat.

Wäh­rend es unren­ta­bel und schwie­rig ist, eine alte Frau aus einem Dorf mit dem Bus in die nächst­ge­le­ge­ne Klein­stadt zum Arzt zu fah­ren, läßt sich in der libe­ra­len Welt sehr ein­fach Geld ver­die­nen: mit unge­sun­den Bur­gern, mit Por­nos, mit süch­tig machen­den Spie­len et cete­ra. Der Jour­na­list Jan Karon hat dafür den tref­fen­den Aus­druck „Bas­tard­mo­der­ne“ geprägt. Die Bas­tard­mo­der­ne ver­dient sich am see­li­schen Nie­der­gang der Völ­ker dumm und däm­lich. Der Libe­ra­lis­mus hat dafür mit sei­nem „Any­thing goes“ (bis hin zur Geschlechts­um­wand­lung) die unfrei­wil­li­ge Grund­la­ge gelie­fert. Er ist bis heu­te nicht fähig zur Sinnstiftung.

  1. Der Libe­ra­lis­mus ist geschei­tert, weil sich die „libe­ra­le Demo­kra­tie“ immer mehr in eine Eli­ten­herr­schaft gegen das eige­ne Volk verwandelt. 

In der „libe­ra­len Demo­kra­tie“ der Gegen­wart tritt das Kurio­sum zuta­ge, daß die post­li­be­ra­len Vor­stel­lun­gen des Vol­kes – zum Bei­spiel: kei­ne Ein­wan­de­rung! – mit völ­lig ande­ren, aber eben­falls post­li­be­ra­len Ideen der Eli­ten kol­li­die­ren. Beson­ders deut­lich wird das an der Judi­ka­ti­ve. 2021 ver­pflich­te­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Poli­tik zur Ideo­lo­gie des Kli­ma­schut­zes, obwohl im Grund­ge­setz ledig­lich der Erhalt der „natür­li­chen Lebens­grund­la­gen“ vor­ge­ge­ben ist. Die­ser Kli­ma­schutz läuft auf Maß­nah­men hin­aus, die das Leben der Bür­ger ver­teu­ern und der Wirt­schaft einen mas­si­ven Scha­den zufü­gen. Des­halb pas­sen die­se Maß­nah­men nicht ins libe­ra­le Ras­ter, son­dern sind auf ihre Wei­se „post­li­be­ral“.

Eben­so ent­schie­den die Rich­ter in der Coro­na-Jah­ren fast aus­schließ­lich zu Unguns­ten der Grund­rech­te der Bür­ger. Auch hier paßt der Stem­pel „post­li­be­ral“. Wenn hin­ge­gen ein Eri­tre­er ille­gal nach Deutsch­land ein­reist, hal­ten die­se Rich­ter das Zurück­wei­sen an der Gren­ze für „rechts­wid­rig“, obwohl in der Dub­lin-Ver­ord­nung ein­deu­tig gere­gelt ist, daß Deutsch­land für die­sen Asyl­be­wer­ber nicht zustän­dig ist.

Der Poli­to­lo­ge Phil­ip Manow sieht daher eine „mög­lichst umfas­sen­de insti­tu­tio­nel­le Ein­he­gung des elek­to­ra­len Moments“, die man ein­fa­cher als Demo­kra­tie­ver­kür­zung bezeich­nen könn­te. Die Mehr­heits­de­mo­kra­tie des Vol­kes steht der „Werte“-Demokratie gegen­über. Die­se „Wer­te“ wer­den dann im Elfen­bein­turm von Rich­tern zu Rech­ten umge­deu­tet.[10] Ande­re Staa­ten sind Deutsch­land dabei schon eini­ge Schrit­te vor­aus: „Kla­ren poli­ti­schen Mehr­hei­ten ist nicht ein­sich­tig zu machen, war­um sie ihr Pro­gramm, für das sie erfolg­reich gewor­ben haben, nicht durch­set­zen dür­fen, weil ein über­schau­ba­res Rich­ter­gre­mi­um, nicht gewählt, durch nie­man­dem zu kon­trol­lie­ren oder zu sank­tio­nie­ren, sich dem ent­ge­gen­stellt“, beschreibt Manow die zukünf­ti­ge Haupt­kon­flikt­li­nie der libe­ra­len Demokratie.

Der Libe­ra­lis­mus gibt damit sei­nen ursprüng­li­chen Glau­ben auf, wonach durch demo­kra­ti­sche Wah­len und Par­la­ments­de­bat­ten die bes­ten Geset­ze ent­ste­hen. Die Macht wan­dert viel­mehr zu den Gerich­ten, weil die­se ange­sichts sich ver­än­dern­der Mehr­hei­ten am wir­kungs­volls­ten die Frei­heit der Bür­ger ein­schrän­ken kön­nen und für die Durch­set­zung der herr­schen­den Ideo­lo­gie sor­gen. Zuge­spitzt gilt von nun an: In der post­li­be­ra­len Post­de­mo­kra­tie ist das Volk der Feind und die Ent­schei­dungs­ho­heit rotiert von Ber­lin nach Karlsruhe.

  1. Der Libe­ra­lis­mus hat sein his­to­ri­sches Schei­tern nie auf­ge­ar­bei­tet. Libe­ra­le Idea­le sind immer in ihr Gegen­teil umgeschlagen.

Zur Bestands­auf­nah­me des Libe­ra­lis­mus gehört auch sei­ne Wei­ge­rung, sich mit den eige­nen Feh­lern aus­ein­an­der­zu­set­zen. Die Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung ein­zel­ner Völ­ker – vor allem des deut­schen Vol­kes – und ein­zel­ner Ideo­lo­gien – vor allem des Natio­nal­so­zia­lis­mus, aber auch mit Abstri­chen des Kom­mu­nis­mus – wur­de in den letz­ten Jahr­zehn­ten exzes­siv bis hin zur Selbst­auf­ga­be betrie­ben. Aus­ge­nom­men blieb davon erstaun­li­cher­wei­se der Libe­ra­lis­mus. Kol­ja Zyda­tiss und Mark Fel­don mer­ken dazu in ihrem Buch Inter­re­gnum an: „Der Tugend­ter­ror, in den die Ers­te Fran­zö­si­sche Repu­blik gestürzt wur­de, führ­te der Welt vor Augen, wel­che Fol­gen ein revo­lu­tio­nä­rer Umsturz haben kann, selbst wenn er von einem libe­ra­len Pro­gramm und von libe­ra­len Akteu­ren getra­gen wird.“

Weder der Tugend­ter­ror noch die anthro­po­lo­gi­sche Fehl­an­nah­me, daß sich alle Men­schen „in Afgha­ni­stan, der Tür­kei oder im Jemen, nach Selbst­ver­wirk­li­chung, Tole­ranz und Säku­la­ris­mus“ seh­nen, wur­de von libe­ra­len Vor­den­kern auf­ge­ar­bei­tet. Statt­des­sen wur­de der Libe­ra­lis­mus zu einem Hyper­li­be­ra­lis­mus der Dekon­struk­ti­on aller Iden­ti­tä­ten gesteigert.

Wie der deut­sche Poli­to­lo­ge Dani­el Mar­we­cki, der Inter­na­tio­na­le Bezie­hun­gen an der Uni­ver­si­tät in Hong­kong lehrt, in sei­nem Buch Die Welt nach dem Wes­ten. Über die Neu­ord­nung der Macht im 21. Jahr­hun­dert ana­ly­siert hat, ist der Libe­ra­lis­mus zudem ahis­to­risch. Groß­bri­tan­ni­en, das gern als Mus­ter­bei­spiel eines frü­hen libe­ra­len Staats her­an­ge­zo­gen wird, sei in Wirk­lich­keit ein impe­ria­lis­ti­scher Staat mit hohen Mili­tär­aus­ga­ben, einer star­ken Büro­kra­tie, hohen Steu­ern, einer hohen Staats­ver­schul­dung und star­ken pro­tek­tio­nis­ti­schen Ten­den­zen gewe­sen. Eben­so wie die Nie­der­lan­de han­del­te es sich also um einen „mili­tä­risch-fis­ka­li­schen Staat“. Wäh­rend­des­sen habe im Chi­na des 18. Jahr­hun­derts sehr wohl die „unsicht­ba­re Hand“ regiert. Der Staat war hand­lungs­schwach, die Steu­er­last nied­rig und der Markt frei.[11]

Mit Adam Smith zurück zu den Ursprüngen?

Zur Ehren­ret­tung sei jedoch gesagt, daß klu­gen Libe­ra­len die Pro­ble­me des Libe­ra­lis­mus von Vorn­her­ein bekannt waren. Zur Lösung die­ser Pro­ble­me kann des­halb ein Adam Smith (1723–1790) mehr bei­tra­gen als die Libe­ra­len von heu­te. Smith war zum Bei­spiel nie Glo­ba­list, son­dern beton­te in sei­nem Haupt­werk über den Wohl­stand der Natio­nen aus­drück­lich die Rück­bin­dung des Wirt­schaf­tens an die Hei­mat. Wenn ein Unter­neh­mer „dem hei­mi­schen Gewer­be­fleiß vor dem frem­den den Vor­zug gibt (…), so bezweckt er ledig­lich sei­nen eige­nen Gewinn und wird in die­sem wie in vie­len ande­ren Fäl­len von einer unsicht­ba­ren Hand gelei­tet (…) Auf wel­che Gat­tun­gen des hei­mi­schen Gewer­be­flei­ßes jemand sein Kapi­tal ver­wen­den soll, und bei wel­cher das Pro­dukt den größ­ten Wert ver­spricht, kann offen­bar jeder ein­zel­ne nach sei­nen ört­li­chen Ver­hält­nis­sen weit bes­ser beur­tei­len, als es ein Staats­mann oder Gesetz­ge­ber für ihn tun könn­te.“[12]

Der Ruf nach der „unsicht­ba­ren Hand“ bezog sich also nicht auf unüber­sicht­li­che Welt­märk­te, son­dern ganz kon­kret auf den Markt­platz vor dem Rat­haus. Dort soll­te sich der Zen­tral­staat her­aus­hal­ten, weil jeder Unter­neh­mer selbst über­bli­cken kann, was in der eige­nen Hei­mat benö­tigt wird. Trotz­dem äußer­te Smith Prä­fe­ren­zen, wel­che Bran­chen beson­ders wert­schöp­fend sei­en. Dem Boden­an­bau – also der Land­wirt­schaft – räum­te er die höchs­te Prio­ri­tät ein. Erst danach folg­te die Indus­trie und wie­der­um erst danach der Außen­han­del. Eine Umkeh­rung die­ser Prio­ri­tä­ten gei­ßel­te er als unna­tür­lich und „rück­wärts­schrei­tend“[13]. Spa­ni­en und Por­tu­gal, die den Außen­han­del bevor­zug­ten, nann­te er als mah­nen­de Bei­spie­le und lag damit ja letzt­end­lich auch rich­tig. Bei­de Han­dels­na­tio­nen schaff­ten es nicht, eine inter­na­tio­nal wett­be­werbs­fä­hi­ge Indus­trie aufzubauen.

Die Bedeu­tung länd­li­cher Regio­nen stell­te Smith stets deut­lich her­aus: „Von der Stadt, in der eine Repro­duk­ti­on von Sub­stan­zen weder statt­fin­det, noch statt­fin­den kann, darf man mit Recht sagen, daß sie ihren gan­zen Reich­tum und ihren Unter­halt vom Land gewinnt.“[14] Das regio­nal­wirt­schaft­li­che Schei­tern des Libe­ra­lis­mus wäre also ver­meid­bar gewe­sen, hät­ten sich die Libe­ra­len an Smith orientiert.

Das gilt auch für die Außen­wirt­schaft: Smith schrieb, man sol­le „dem aus­wär­ti­gen Han­del kei­nen Vor­zug geben“. Das im eige­nen Land ange­leg­te Kapi­tal wer­de „in der Regel einer grö­ße­ren Men­ge pro­duk­ti­ver Arbeit Auf­mun­te­rung und Unter­stüt­zung gewäh­ren“.[15] Das klingt ganz nach „Ame­ri­ca first“. Statt den inter­na­tio­na­len Frei­han­del mit Uto­pien auf­zu­la­den, wie es spä­te­re Libe­ra­le mach­ten, stand die Wert­schöp­fung in der eige­nen Nati­on im Mit­tel­punkt des Inter­es­ses von Adam Smith. Denn: „Das gro­ße Ziel der poli­ti­schen Öko­no­mie aller Län­der besteht aber dar­in, den Reich­tum und die Macht des Lan­des zu ver­meh­ren.“[16]

Postliberalismus in den USA

Auf der Suche nach dem kleins­ten gemein­sa­men Nen­ner der rech­ten Post­li­be­ra­len könn­te man auf die Idee kom­men, ein­fach das von Smith for­mu­lier­te Ziel zu nen­nen. Man wür­de dabei aller­dings unter­schla­gen, daß es auch lin­ke Post­li­be­ra­le gibt. Post­li­be­ra­le „Ökos“ set­zen auf den Zwang zur Wär­me­pum­pe, wäh­rend post­li­be­ra­le Anti­fa­schis­ten kei­ne Lust mehr auf Dis­kus­sio­nen mit Rech­ten haben und des­halb nach „Can­cel Cul­tu­re“ und Par­tei­ver­bo­ten rufen. Post­de­mo­kra­ti­sche Libe­ra­le ver­su­chen indes den Mehr­heits­wil­len zurück­zu­drän­gen. Und arbei­ten des­halb an der Abschot­tung ihrer Macht­be­rei­che in Gerich­ten, Unter­neh­men, Inter­es­sen­ver­bän­den und supra­na­tio­na­len Gebil­den wie der Euro­päi­schen Union.

Auf­grund die­ser Hete­ro­ge­ni­tät und kon­fu­sen Aus­gangs­la­ge konn­te der Post­li­be­ra­lis­mus das Sta­di­um einer in sich schlüs­si­gen Theo­rie noch nicht errei­chen. Sei­ne Ver­tre­ter auf der Lin­ken und der Rech­ten sind sich vor allem dar­in einig, woge­gen sie sich aus­spre­chen und was sie zu kri­ti­sie­ren haben. Die Poli­to­lo­gen Veith Selk und Juli­an Nico­lai Hof­mann stel­len zudem her­aus, daß die­se Kri­tik im Gegen­satz zu über­zeug­ten Sozia­lis­ten gewis­ser­ma­ßen mit ange­zo­ge­ner Hand­brem­se erfolgt. Die Post­li­be­ra­len kon­sta­tie­ren eine „Sieg­kri­se des Libe­ra­lis­mus“ mit „Erschöp­fungs­sym­pto­men“, doch „ganz ohne durch ihn gepräg­te Frei­heits­rech­te leben möch­ten nur wenige“.

Hin­zu kom­me als ver­bin­den­des Ele­ment[17] eine Eli­ten­kri­tik an der Domi­nanz der Mana­ger und Appa­ra­te „in Staat, Wirt­schaft und Kul­tur“. Die­se Appa­ra­te wür­den gesteu­ert von „aka­de­misch gebil­de­ten ‚Kopf­ar­bei­tern‘, die über kei­ne Pro­duk­ti­ons­mit­tel ver­fü­gen und nicht zur Eli­te gehö­ren, aber inner­halb der sozia­len Hier­ar­chie eine Lei­tungs­po­si­ti­on inne­ha­ben“. Um inner­halb der Appa­ra­te über­le­ben und auf­stei­gen zu kön­nen, müs­sen sich die­se Per­so­nen anpas­sen, wes­halb sie zum „Bück­bür­ger­tum“ (Ulf Pos­ch­ardt) zäh­len. Die drit­te Gemein­sam­keit aller post­li­be­ra­len Strö­mun­gen sei die Kri­tik am „libe­ra­len Indi­vi­dua­lis­mus“ und eine „Ori­en­tie­rung am Gemein­wohl“, so Selk und Hofmann.

2024 ver­an­stal­te­ten die bei­den Poli­to­lo­gen eine Kon­fe­renz zum Post­li­be­ra­lis­mus, an der unter ande­rem Patrick J. Deneen, Adri­an Pabst und Samu­el Moyn teil­nah­men. Moyn ist ein lin­ker His­to­ri­ker aus Yale, Pabst einer der Urhe­ber des Begriffs „post­li­be­ral“ der bri­ti­schen „Blue Labour“-Bewegung“ und Deneen ein kon­ser­va­ti­ver Vor­den­ker aus den USA, der vom „tra­di­tio­nel­len Wirt­schafts­li­be­ra­lis­mus“ abweicht, indem er der Rech­ten ver­sucht zu erklä­ren, daß sie nicht nur „pro fami­ly“, son­dern auch „pro worker“ auf­tre­ten müs­se.[18]

Es wer­den hier zwei Pro­ble­me ersicht­lich: Die Deut­schen haben einen „lan­gen Weg nach Wes­ten“ (Hein­rich August Wink­ler) zurück­ge­legt. Seit­dem sie ihr Ziel erreicht haben, glau­ben sie irr­tüm­li­cher­wei­se, jeder ame­ri­ka­ni­sche Trend müs­se frü­her oder spä­ter über den „Gro­ßen Teich“ schwap­pen. Meist ist das eine sich selbst erfül­len­de Pro­phe­zei­ung und hängt mit der öko­no­mi­schen Über­macht ame­ri­ka­ni­scher Kon­zer­ne zusam­men – sie­he Coca-Cola oder Goog­le. Die auch von Rech­ten und Kon­ser­va­ti­ven geteil­te Annah­me, daß der Post­li­be­ra­lis­mus zwin­gend aus den USA kom­men muß, ist eben­falls ein Resul­tat die­ses Den­kens. Doch war­um beob­ach­ten deut­sche Rech­te und Kon­ser­va­ti­ve ame­ri­ka­ni­sche Dis­kur­se über­haupt so genau, wäh­rend eige­ne Tra­di­ti­ons­li­ni­en in Ver­ges­sen­heit gera­ten? Deut­sche Post­li­be­ra­le, die das libe­ral-uni­ver­sa­lis­ti­sche Zeit­al­ter über­win­den wol­len, müß­ten sich ja theo­re­tisch zunächst ein­mal in Deutsch­land und Euro­pa nach Vor­bil­dern umschauen.

Dar­über hin­aus kön­nen die meis­ten Post­li­be­ra­len nicht erklä­ren, wie sie in Zukunft in einer mul­ti­po­la­ren Welt­ord­nung Wohl­stand erwirt­schaf­ten wol­len und was sich dabei kon­kret im Ver­gleich zum libe­ra­len Zeit­al­ter ändern soll­te. Die­ser Vor­wurf trifft liber­tä­re Post­li­be­ra­le wie Elon Musk genau­so wie Sozi­al­pa­trio­ten wie Deneen. Elon Musk steht mit sei­ner Visi­on von Rechen­zen­tren im Welt­raum, die dort von erneu­er­ba­ren Ener­gien wie Solar­an­la­gen betrie­ben wer­den, für das typisch ame­ri­ka­ni­sche „Fron­tier-Den­ken“. Also ist er auch ein typi­scher Libe­ra­ler? Deneen kri­ti­siert indes sowohl den Glo­bal­ka­pi­ta­lis­mus als auch die „woken“ Aus­wüch­se des Kapi­ta­lis­mus. Sei­ne Lösun­gen beru­hen aber im Wesent­li­chen dar­auf, ein­fach das Gegen­teil zu for­dern – also z.B. statt Glo­ba­li­sie­rung De-Globalisierung.

Palan­tir-Chef Alex­an­der C. Karp ist hier mit sei­nem Buch The Tech­no­lo­gi­cal Repu­blic (2025) die posi­ti­ve Aus­nah­me in den Rei­hen der Post­li­be­ra­len. Karp ver­bin­det dar­in sei­ne wirt­schaft­li­chen Eigen­in­ter­es­sen mit sei­nen ideo­lo­gi­schen Vor­stel­lun­gen. Er nimmt also nicht die Posi­ti­on eines Wis­sen­schaft­lers ein, der aus der Vogel­per­spek­ti­ve auf die Öko­no­mie schaut. Karp ist mit­ten­drin und wür­de von einer Neu­aus­rich­tung des Kapi­ta­lis­mus, wie von ihm vor­ge­schla­gen, am meis­ten pro­fi­tie­ren. Die­ser Trans­pa­renz­hin­weis soll sei­ne Ver­diens­te um eine zukunfts­fä­hi­ge, öko­no­mi­sche Theo­rie des Post­li­be­ra­lis­mus jedoch kei­nes­wegs schmälern.

Karp, der Phi­lo­so­phie bei Jür­gen Haber­mas in Frankfurt/Main stu­dier­te und eine Vor­lie­be für Anthro­po­lo­gie hat, warnt Deutsch­land aus­drück­lich davor, Ame­ri­ka kopie­ren zu wol­len. „Wenn ihr Ame­ri­ka kopiert, wer­det ihr nur ein dritt­klas­si­ges Ame­ri­ka sein“, so Karp. Statt ein schlech­tes Goog­le zu bau­en, sol­le Deutsch­land im Zeit­al­ter der Künst­li­chen Intel­li­genz auf die eige­nen his­to­risch gewach­se­nen Stär­ken set­zen – und die sei­en in der „phy­si­schen Indus­trie“ zu fin­den. Deut­sche „Inge­nieurs­kunst“ habe in der Che­mie, Fer­ti­gung und Auto­mo­bil­in­dus­trie Welt­ruhm erlangt. Hier sieht Karp die größ­ten Chan­cen für die Zukunft, wenn es gelin­ge, „deut­sche Hard­ware mit der bes­ten ver­füg­ba­ren Soft­ware zu ver­schmel­zen“, faß­te die WELT am 6. Febru­ar 2026 zusam­men. Bereits davor hat­te Karp für Empö­rung gesorgt, als er auf dem Welt­wirt­schafts­fo­rum in Davos erklär­te, Künst­li­che Intel­li­genz wer­de Ein­wan­de­rung über­flüs­sig machen.[19]

Sei­ne Kri­tik am libe­ra­len Kapi­ta­lis­mus der letz­ten Jahr­zehn­te setzt noch an einer ande­ren Stel­le an: Die gro­ßen Tech-Kon­zer­ne hät­ten einen hedo­nis­ti­schen Kon­su­mis­mus begüns­tigt. „Ein deut­li­ches Über­maß an – geis­ti­gen wie auch ande­rem – Kapi­tal wur­de inves­tiert, um die oft­mals kapri­ziö­sen und flüch­ti­gen Wün­sche der spät­ka­pi­ta­lis­ti­schen Mas­sen zu befrie­di­gen.“[20] Ama­zon, Face­book (Meta), Goog­le und You­tube (Alpha­bet) mach­ten die Men­schen süch­tig nach bun­ten Bild­chen in Dau­er­schlei­fe und sorg­ten dafür, schnel­ler online ein­kau­fen zu kön­nen. Ech­te Inno­va­tio­nen, die ein Land nach vor­ne brin­gen, sei­en von den Platt­form­dienst­leis­tern hin­ge­gen kaum gekom­men. Karp denkt dabei an die Ver­hin­de­rung von Ter­ror­an­schlä­gen, den Bau von U‑Booten und die Ent­wick­lung von Heilmitteln.

Die Vor­stands­vor­sit­zen­den der gro­ßen Tech-Kon­zer­ne kri­ti­siert er als vater­lands­lo­se Gesel­len und for­dert ein kla­res Bekennt­nis sowohl zum frei­en Markt als auch zur natio­na­len Iden­ti­tät: „Die Technik­eli­te des Sili­con Val­ley hat die Hand­lungs­pflicht, an der Ver­tei­di­gung der Nati­on und der Arti­ku­la­ti­on eines natio­na­len Pro­jekts mit­zu­wir­ken.“[21]

Karp will dazu die Herr­schaft der büro­kra­ti­schen Juris­ten bre­chen und den „kon­struk­ti­ven Unge­hor­sam“[22] der künst­le­risch ver­an­lag­ten Inge­nieu­re nut­zen: „Die Her­aus­for­de­rung, mit der wir jetzt beim Auf­bau einer Tech-Repu­blik kon­fron­tiert sind, besteht dar­in, die­sen Inge­nieurs­in­stinkt, einen tat­säch­lich rück­sichts­lo­sen Prag­ma­tis­mus, auf die gemein­sa­men Zie­le der Nati­on aus­zu­rich­ten.“[23]

Postliberalismus in Deutschland?

Her­vor­zu­he­ben an Karps Aus­füh­run­gen sind auch sei­ne Äuße­run­gen zu den im Zwei­ten Welt­krieg besieg­ten Mäch­ten. Die libe­ra­le Umer­zie­hung nach 1945 hält er für einen schwer­wie­gen­den, geo­po­li­ti­schen Feh­ler. „Die Schwä­chung Deutsch­lands war eine Über­re­ak­ti­on, für die Euro­pa heu­te einen gewal­ti­gen Preis bezahlt. Eine ähn­li­che und höchst dra­ma­ti­sche Ver­pflich­tung auf einen japa­ni­schen Pazi­fis­mus droht zudem (…) das Mäch­te­gleich­ge­wicht in Asi­en zu ver­schie­ben.“[24]

Die Ame­ri­ka­ner hät­ten in der mul­ti­po­la­ren Welt mit dem Haupt­kon­kur­ren­ten Chi­na einen grö­ße­ren Nut­zen von selb­stän­dig den­ken­den Part­nern. Die Vasal­len­rol­le Deutsch­lands hat schließ­lich jede men­ta­le und außen­po­li­ti­sche Wehr­haf­tig­keit ver­küm­mern las­sen. Das scha­det inzwi­schen auch den USA.

Die Fra­ge, wie viel die Deut­schen vom ame­ri­ka­ni­schen Post­li­be­ra­lis­mus über­neh­men soll­ten, ist daher auch falsch gestellt. Wer das libe­ra­le Zeit­al­ter über­win­den möch­te, soll­te viel­mehr nach post­li­be­ra­len Tra­di­tio­nen in Deutsch­land suchen. Die Preu­ßi­schen Refor­men von 1806 waren die deut­sche, post­li­be­ra­le Ant­wort auf die libe­ra­le Fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on. Der Pro­tek­tio­nis­mus eines Fried­rich List (1789–1846) war die deut­sche, post­li­be­ra­le Ant­wort auf den Dis­kurs über die „unsicht­ba­re Hand“ des Mark­tes – aus­ge­löst von Adam Smith. Ver­mut­lich auf­grund ober­fläch­li­cher Lek­tü­re behaup­te­te List, Smith habe eine die „Natur der Natio­na­li­tät“ ver­ken­nen­de, kos­mo­po­li­ti­sche Idee ent­wor­fen. List prio­ri­sier­te dage­gen die Selb­stän­dig­keit der Nati­on als obers­tes Ziel. Zugleich fin­den sich auch bei ihm Pas­sa­gen, die sich als „glo­ba­lis­tisch“ inter­pre­tie­ren las­sen. Zum Bei­spiel: „Es ist die Auf­ga­be der Natio­nal­öko­no­mie, die öko­no­mi­sche Erzie­hung der Nati­on zu bewerk­stel­li­gen und sie zum Ein­tritt in die künf­ti­ge Uni­ver­sal­ge­sell­schaft vor­zu­be­rei­ten.“[25]

Nichts­des­to­trotz stand Fried­rich List für einen Ansatz, der anstel­le des frei­en Mark­tes auf die staat­lich geschütz­te Ent­wick­lung jun­ger Indus­trien bis zur Welt­markt­rei­fe setz­te. Erst wenn die­se Welt­markt­rei­fe erreicht war, soll­ten sich die eige­nen Pro­duk­te und Dienst­leis­tun­gen gegen­über der inter­na­tio­na­len Kon­kur­renz selb­stän­dig behaup­ten. Nicht nur in Deutsch­land hat die­ser Ansatz funk­tio­niert. Auch die ost­asia­ti­schen Tiger­staa­ten haben die­sem Erfolgs­re­zept vertraut.

Neben der Jah­res­zahl 1806 ist für den deut­schen Post­li­be­ra­lis­mus vor allem die Jah­res­zahl 1873 von Bedeu­tung. Nach dem Bör­sen­crash von 1873 und dem „Grün­der­krach“ ent­wi­ckel­te sich in Deutsch­land ein äußerst erfolg­rei­ches post­li­be­ra­les Wirt­schafts­sys­tem. Kon­stan­tin Rich­ter schreibt dazu in sei­nem gran­dio­sen Buch Drei­hun­dert Män­ner. Auf­stieg und Fall der Deutsch­land AG (2025):

Auch um das eige­ne Geschäft zu sichern, voll­zo­gen vie­le Unter­neh­mer den Abschied vom Lais­sez-fai­re-Libe­ra­lis­mus. Sie gaben den ‚Kapi­ta­lis­ten‘ und ‚Spe­ku­lan­ten‘, den ‚Akti­en­schwind­lern‘ und ‚Bör­sen­ju­den‘ die Schuld an einem Zusam­men­bruch, zu dem sie selbst bei­getra­gen hat­ten. Als hät­ten sie nie anders gedacht, behaup­te­ten sie nun, man müs­sen den frei­en Markt beschnei­den und sta­bi­le Struk­tu­ren schaf­fen. Sie fan­den in grö­ße­ren Ein­hei­ten zusam­men, in Groß­be­trie­ben, Kar­tel­len und Ver­bän­den, und sie such­ten die Nähe zu einem star­ken Staat, der sich eben­falls vom Libe­ra­lis­mus abwen­de­te und ord­nend und schüt­zend in die deut­sche Wirt­schaft ein­griff.“[26]

Es gelang dabei, einen Nach­teil in einen Vor­teil umzu­mün­zen. Das deut­sche Kai­ser­reich konn­te als ver­spä­te­te Nati­on die Mas­sen­märk­te nicht erobern und kon­zen­trier­te sich daher mit sei­nen For­schungs­ein­rich­tun­gen und Unter­neh­men dar­auf, teu­re Qua­li­täts­pro­duk­te und Maschi­nen in klei­ner Stück­zahl her­zu­stel­len. Zum spe­zi­fisch deut­schen Weg paßt eben­falls, daß die Unter­neh­men zwar expor­tier­ten, aber ver­such­ten, die Pro­duk­ti­on so weit wie mög­lich im eige­nen Land zu belas­sen. „Bei aller Inter­na­tio­na­li­tät wur­den die Unter­neh­mer nicht zu Kos­mo­po­li­ten, sie blie­ben zutiefst deutsch. Oder auch schwä­bisch“, unter­streicht Richter.

Die ratio­na­le Orga­ni­sa­ti­on von Betrieb und Behör­de ganz im Sin­ne Max Webers brach­te Deutsch­land schließ­lich an die wirt­schaft­li­che Welt­spit­ze. Neben­bei bemerkt: Für die­se Erfolgs­ge­schich­te gab es regio­na­le Vor­bo­ten, wie z.B. die Poli­tik des „Réta­blis­se­ment“ (Wie­der­ge­ne­sung) in Sach­sen nach dem Sie­ben­jäh­ri­gen Krieg. Die­se Poli­tik war nicht „post­li­be­ral“, weil es davor noch kei­nen Libe­ra­lis­mus gab. Trotz­dem setz­te die­se Poli­tik auf ein klu­ges Zusam­men­spiel zwi­schen Staat und Wirt­schaft, das auf Spar­sam­keit und Inno­va­tio­nen beruh­te. Zu Beginn des 20. Jahr­hun­derts gehör­te Sach­sen so zu den prä­gends­ten Wirt­schafts­re­gio­nen der Welt. Das Pro-Kopf-Ein­kom­men in Sach­sen lag noch ein­mal 17 Pro­zent über dem Durch­schnitt im deut­schen Kaiserreich.

Wie Mar­we­cki aus­führt, ist der post­li­be­ra­le Cha­rak­ter der Wirt­schafts­po­li­tik im Kai­ser­reich aller­dings weni­ger ein­deu­tig, als die Typi­sie­run­gen von Sozio­lo­gen wie Wer­ner Som­bart über „Händ­ler und Hel­den“ – also Eng­län­der und Deut­sche im Ver­gleich – nahe­le­gen. Die Zöl­le im Kai­ser­reich sei­en im Schnitt sogar nied­ri­ger gewe­sen als in den USA und Groß­bri­tan­ni­en. Ledig­lich in stra­te­gi­schen Pro­dukt­be­rei­chen wie Getrei­de, Eisen und Stahl gab es hohe Zöl­le.[27]

Die Vor­den­ker der sozia­len Markt­wirt­schaft ver­än­der­ten das deut­sche Erfolgs­mo­dell des Kai­ser­reichs spä­ter dahin­ge­hend, daß sie dem Mit­tel­stand gegen­über den Groß­be­trie­ben zum Durch­bruch ver­hal­fen. Die sozia­le Markt­wirt­schaft eines Alfred Mül­ler-Arm­ack und eines Wil­helm Röp­ke atme­te zwar einen frei­heit­li­chen Geist, hat­te aber eben­falls ent­schei­den­de „post­li­be­ra­le“ Ele­men­te, die man bes­ser als „prä­li­be­ra­le“ Ele­men­te bezeich­nen sollte.

Wil­helm Röp­ke führ­te zum Bei­spiel aus: „Die Gesell­schaft als Gan­zes kann nicht auf dem Gesetz von Ange­bot und Nach­fra­ge und auf dem Appell an das Eigen­in­ter­es­se auf­ge­baut wer­den, und es ist gute kon­ser­va­ti­ve Über­zeu­gung, daß der Staat mehr ist als eine Akti­en­ge­sell­schaft. Mit ande­ren Wor­ten: die Markt­wirt­schaft ist nicht genug. Sie muß in eine höhe­re Gesamt­ord­nung ein­ge­bet­tet wer­den, die nicht nur die Unvoll­kom­men­hei­ten und Här­ten der Wirt­schafts­frei­heit kor­ri­giert, son­dern dem Men­schen die sei­ner Natur gemä­ße Exis­tenz schafft. Der Mensch aber kann nur dann vol­le Erfül­lung sei­ner Natur fin­den, wenn er sich wil­lig einem höhe­ren Gan­zen, einer ech­ten Gemein­schaft ein­fü­gen und sich als ihr die­nen­des Glied füh­len kann. Sonst führt er eine elen­de Exis­tenz trotz allem mate­ri­el­lem Kom­fort, und er weiß es.“[28]

Mül­ler-Arm­ack schlug ähn­li­che Töne an: Er lei­te­te aus dem Chris­ten­tum eine aske­ti­sche Arbeits­ethik ab. Zudem arbei­te­te er an einem Aus­gleich zwi­schen Markt und Moral. Sei­ne Absa­ge an jede Plan­wirt­schaft lei­te­te er aus der Anthro­po­lo­gie her, denn das Lebens­me­di­um des Men­schen sei die „Indi­rekt­heit“. Man könn­te auch vom „Anreiz“ spre­chen. Die Direkt­heit – der Befehl – hin­ge­gen sei dem Tier vor­be­hal­ten. Als Ziel gab er vor, das Sozia­le „wie­der mensch­li­cher, kon­kre­ter, gebun­de­ner, fami­liä­rer, über­schau­ba­rer, natur­ver­bun­de­ner und viel­fäl­ti­ger“ machen zu wol­len. Ihm war dabei aber immer klar, daß der Wohl­stand vor der Umver­tei­lung erst erwirt­schaf­tet wer­den muß.

Schlußfolgerungen

Ein spe­zi­fisch deut­scher, post­li­be­ra­ler Weg für die Zukunft könn­te dar­in bestehen, die per­sön­li­che und natio­na­le Ent­wick­lung zu Selb­stän­dig­keit, Unab­hän­gig­keit und Sou­ve­rä­ni­tät höher zu gewich­ten als die indi­vi­du­el­le, „libe­ra­le“ Frei­heit. In die­se Rich­tung argu­men­tiert auch Dani­el Mar­we­cki, der in die­sem Zusam­men­hang vom „Ent­wick­lungs­staat“[29] spricht. Die­ser Aus­druck ist frei­lich auf­grund sei­ner Nähe zum Ent­wick­lungs­land anfäl­lig für Mißverständnisse.

Audi schreibt sich seit den 1970er-Jah­ren „Vor­sprung durch Tech­nik“ auf die Fah­nen. Gemeint ist damit das lang­sa­me und ste­ti­ge Opti­mie­ren von Pro­zes­sen und Pro­duk­ten. Die­se Her­an­ge­hens­wei­se ist typisch deutsch. Das muß das Ziel unse­rer Ent­wick­lung sein.

Armin Moh­ler woll­te dar­über hin­aus dem Begriff des „Wett­kamp­fes“ sei­ne Ernst­haf­tig­keit zurück­ge­ben. Die Libe­ra­len hät­ten ihn zu spie­le­risch inter­pre­tiert und ihn zu einem „Wett­kampf von Abs­trak­tio­nen“ umge­deu­tet. Dar­aus folgt dann ein Über­bie­tungs­wett­be­werb von mora­li­schen Wer­ten und Finanz­kenn­zah­len, die kaum noch etwas mit der tat­säch­li­chen öko­no­mi­schen Leis­tungs­fä­hig­keit zu tun haben.

Wer dage­gen erken­ne, daß der Wett­kampf „zu mei­nem oder des ande­ren Unter­gang füh­ren“ kann, habe auch kein Pro­blem der „Sinn­erfül­lung“[30]. Der Sinn des Wett­kampfs in der mul­ti­po­la­ren Welt besteht dar­in, unse­re Kul­tur zu erhal­ten und unser Über­le­ben als Nati­on zu sichern. Das ist bes­ser als jede libe­ra­le und sozia­lis­ti­sche Utopie.

PS: Alex­an­der Schim­mel­busch hat 2018 mit Hoch­deutsch­land einen sehr lesens­wer­ten Roman über eine post­li­be­ra­le, patrio­ti­sche Bewe­gung geschrie­ben, die Deutsch­land wie­der zu wirt­schaft­li­chem Erfolg verhilft.

[1] Armin Moh­ler: Gegen die Libe­ra­len. Schnell­ro­da 2011, S. 11

[2] Ebd., S. 15

[3] Ebd., S. 16

[4] Ebd., S. 73

[5] Ebd., S. 22

[6] Vgl. Paul Col­lier: Die unters­te Mil­li­ar­de. War­um die ärms­ten Län­der schei­tern und was man dage­gen tun kann. Mün­chen 2008

[7] https://www.hannaharendt.net/index.php/han/de/article/download/470/720/1150?inline=1

[8] https://afd-fraktion-sachsen.de/afd-anfrage-nur-29-neue-arbeitsplaetze-durch-kohlemilliarden/

[9] Mehr dazu in Recher­che D, Heft 6: https://recherche-dresden.de/product/recherche-d-heft-6-august-2019/

[10] Z.B. im Bereich LGBTQ.

[11] Vgl. Dani­el Mar­we­cki: Die Welt nach dem Wes­ten Über die Neu­ord­nung der Macht im 21. Jahr­hun­dert. Ber­lin 2025. S. 39

[12] Adam Smith: Der Wohl­stand der Natio­nen. Neu-Isen­burg 2009. S. 524f

[13] Ebd., S. 452

[14] Ebd., S. 447

[15] Ebd., S. 439

[16] Ebd., S. 440

[17] Die „post­de­mo­kra­ti­schen Libe­ra­len“ wur­den mit Absicht nicht als „Post­li­be­ra­le“ bezeich­net, weil die­ses ver­bin­den­de Ele­ment auf sie nicht zutrifft.

[18] https://www.faz.net/aktuell/wissen/geist-soziales/tagung-mit-theoretikern-des-postliberalismus-110164691.html

[19] https://www.20min.ch/story/davos-palantir-chef-ki-wird-einwanderung-unnoetig-machen-103490308

[20] Alex­an­der C. Karp/Nicholas W. Zamis­ka: The Tech­no­lo­gi­cal Repu­blic. Über die Macht des Sili­con Val­ley und die Zukunft des Wes­tens. Mün­chen 2025. S. 130

[21] Ebd., S. 10

[22] Ebd., S. 157

[23] Ebd., S. 190

[24] Ebd., S. 60

[25] Fried­rich List: Das natio­na­le Sys­tem der poli­ti­schen Öko­no­mie. E‑Book-Ver­si­on 2015. S. 268

[26] Kon­stan­tin Rich­ter: Drei­hun­dert Män­ner. Auf­stieg und Fall der Deutsch­land AG. Ber­lin 2025. S. 36f

[27] Vgl. Mar­we­cki 2025. S. 87

[28] Vgl. Wil­helm Röp­ke: Markt­wirt­schaft ist nicht genug. Wal­trop und Leip­zig 2009

[29] Ebd., S. 92

[30] Moh­ler 2011. S. 43–46