Wer folgt auf Merkel?

Wer folgt auf Merkel?

Nach 13 Jah­ren wur­de Vol­ker Kau­der nicht erneut zum Vor­sit­zen­den der CDU-Bun­des­tags­frak­ti­on gewählt. Statt­des­sen gewann der bis dahin eher pro­fil­lo­se Ralph Brink­haus.

Damit fällt einer der wich­tigs­ten und engs­ten Ver­bün­de­ten von Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel. Vie­le Beob­ach­ter spre­chen des­halb bereits von der „Mer­kel­däm­me­rung“. Der Ver­lust Kau­ders passt zum Nega­tiv­trend der Uni­on und könn­te tat­säch­lich den Beginn vom Ende der Mer­kel-Regie­rung ein­läu­ten. Dabei drängt sich die Fra­ge auf, wer nach 13 Jah­ren „Alter­na­tiv­lo­sig­keit“ Ange­la Mer­kel beer­ben könn­te. Dazu folgt eine Betrach­tung derer, die für einen Neu­an­fang in der Uni­on ste­hen könn­ten. Fakt ist, ein „Wei­ter so“ wie unter Ange­la Mer­kel käme dabei nicht in Fra­ge.

Hier ist die Top 10 der bis­her mög­li­chen neu­en Kanz­ler­kan­di­da­ten der CDU/CSU:

Jens Spahn

Pro: Er ist jung und wei­test­ge­hend unver­braucht auf dem poli­ti­schen Par­kett, ver­fügt aber den­noch über die nöti­ge Pro­fes­sio­na­li­tät. Spahn gilt als inner­par­tei­li­cher Geg­ner Mer­kels und kri­ti­sier­te wie­der­holt die Asyl­po­li­tik der Kanz­le­rin. Eben­so bezeich­ne­te Spahn die Akteu­re der schwe­ren Aus­schrei­tung rund um den G20-Gip­fel in Ham­burg 2017 als „Links­fa­schis­ten“. Die Abschaf­fung des Wer­be­ver­bo­tes für Abtrei­bun­gen beur­teil­te er kri­tisch.

Con­tra: Spahn ist in der Bevöl­ke­rung kein Sym­pa­thie­trä­ger. Ihm fehlt es an Strahl­kraft. Außer­dem irri­tier­te er mit Aus­sa­gen zu Hartz 4, wonach die­se Grund­si­che­rung jedem gebe, „was er zum Leben braucht“. In sei­nem aktu­el­len Amt als Bun­des­mi­nis­ter für Gesund­heit konn­te er bis­her nicht über­zeu­gen und wirkt teil­wei­se über­for­dert oder des­in­ter­es­siert.

 

Ursula von der Leyen

Pro: Kaum eine Poli­ti­ke­rin in den Uni­ons­par­tei­en hat so viel Erfah­rung wie sie. Sie ist eine Frau. Das mag sexis­tisch klin­gen, spielt aber für vie­le Men­schen eine Rol­le. Ursu­la von der Ley­en ist seit 1987 ver­hei­ra­tet und hat sie­ben Kin­der. Das macht sie ins­be­son­de­re für tra­di­tio­nel­le CDU-Wäh­ler authen­tisch. Ursu­la von der Ley­en ern­tet gera­de bei wert­kon­ser­va­ti­ven Wäh­lern viel Zuspruch für die Ein­füh­rung des Zugangs­er­schwer­nis­ge­set­zes für kin­der­por­no­gra­fi­sche Daten.

Con­tra: Von der Ley­en gilt als eine enge Ver­trau­te Ange­la Mer­kels und ist maß­geb­lich am Nie­der­gang der Uni­on und an den Zustän­den im Deutsch­land 2018 mit­ver­ant­wort­lich. Ins­be­son­de­re als Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin ver­sagt sie auf gan­zer Linie. Bei einem Sturz Mer­kels dürf­te evtl. auch ihre Zeit zu Ende sein. Eine not­we­ni­ge Kurs­kor­rek­tur könn­te sie nicht glaub­haft ver­kau­fen.

 

Annegret Kramp-Karrenbauer

Pro: Anne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er gilt als Kar­rie­ris­tin inner­halb der Uni­on. Sie ver­fügt über außer­or­dent­li­chen Drang zu ein­fluss­rei­chen Posi­tio­nen. Seit Febru­ar 2018 ist sie als Gene­ral­se­kre­tä­rin eine der wich­tigs­ten Schalt­stel­len der Uni­on. Kramp-Kar­ren­bau­er ist mit 56 Jah­ren im bes­ten Alter für eine Kanz­ler­kan­di­da­tur.

Con­tra: Ihre abso­lu­te Treue zu Ange­la Mer­kel könn­te ihr in Zukunft im Weg ste­hen. Im Zuge der Asyl­po­li­tik fährt sie zu ein­hun­dert Pro­zent die Mer­kel­sche Linie. Bei einer not­wen­di­gen Kurs­kor­rek­tur stün­de ihr die­se Posi­ti­on im Wege. Anne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er ver­fügt über kei­ner­lei Cha­ris­ma und glänz­te bis­her nicht mit über­zeu­gen­den öffent­li­chen Auf­trit­ten. Sie ist eher eine Mache­rin, als eine Poli­ti­ke­rin der Öffent­lich­keit.

 

Julia Klöckner

Pro: Julia Klöck­ner gilt nicht gera­de als Mer­kel-treue Gehil­fin. Sie ist ent­schie­de­ne Abtrei­bungs­geg­ne­rin und lehnt eben­falls die embryo­na­le Stamm­zel­len­for­schung ab. Als in Frank­reich das Ver­bot zur Voll­ver­schleie­rung durch den EuGH bestä­tigt wur­de, for­der­te sie eben­falls eine der­ar­ti­ge Rege­lung in Deutsch­land. Im Zuge der Asyl­kri­se 2015 for­der­te sie u.a. eine gesetz­li­che Pflicht zur Inte­gra­ti­on und kri­ti­sier­te Mer­kel für die Öff­nung der Gren­zen. Julia Klöck­ner ist deut­lich attrak­ti­ver und modi­scher als ihre inner­par­tei­li­che Kon­kur­renz.

Con­tra: Sie wirkt manch­mal nicht stand­haft genug. Wider­sprü­che von ihr gegen die Bun­des­kanz­le­rin, sowie ein­zel­ne For­de­run­gen blie­ben oft ohne Nach­druck. Julia Klöck­ner befür­wor­tet unkri­tisch das trans­at­lan­ti­sche Frei­han­dels­ab­kom­men TTIP.

 

Philipp Amthor

Pro: Phil­ipp Amt­hor ist jung, wirkt dyna­misch und äußerst elo­quent. Er ver­kör­pert die neue Genera­ti­on der Jun­gen Uni­on. Amt­hor mach­te schon früh Kar­rie­re in der Uni­on und ist einer der jüngs­ten Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten. Mit 26 Jah­ren ist er noch nah genug an jun­gen Wäh­ler­schaf­ten dran um die­se zu errei­chen. Sei­ne Bun­des­tags­re­den zeu­gen von Biss und fun­dier­ten Fach­kennt­nis­sen. Phil­ipp Amt­hor ist deut­lich wert­kon­ser­va­ti­ver als vie­le ande­re füh­ren­de Köp­fe der Uni­on. Mög­li­cher­wei­se ist er der Sebas­ti­an Kurz aus Vor­pom­mern.

Con­tra: Amt­hor ist evtl. noch zu jung für eine mög­li­che Kanz­ler­kan­di­da­tur. Bis­her hat er sich im Bun­des­tag kaum ver­dient gemacht. Er ist gera­de­zu der Arche­typ eines Berufs­po­li­ti­kers. Für vie­le älte­re und ein­fa­che­re Wäh­ler mag er ver­mut­lich zu alt­klug wir­ken. Er besitzt so gut wie kei­ner­lei beruf­li­che Erfah­rung außer­halb der Poli­tik.

 

Armin Laschet

Pro: Armin Laschet ist ein sehr erfah­re­ner Poli­ti­ker. Er nahm Thi­lo Sar­ra­zins Best­sel­ler Deutsch­land schafft sich ab in Schutz. Laschet ist Befür­wor­ter eines Kopf­tuch­ver­bo­tes. Zuletzt konn­te er sich in Nord­rhein-West­pha­len erfolg­reich gegen die SPD durch­set­zen. Damit sicher­te er der Uni­on neben Bay­ern die ein­zi­ge nichtro­te Lan­des­re­gie­rung. Laschet bewies als einer der weni­gen Uni­ons­po­li­ti­ker beson­ders in außen­po­li­ti­schen Fra­gen eine über­ra­schend reflek­tier­te Hal­tung. So kri­ti­sier­te er den dama­li­gen Außen­mi­nis­ter Gui­do Wes­ter­wel­le für sei­ne Unter­stüt­zung für die syri­sche Oppo­si­ti­on. Laschet beton­te deren Ver­bin­dun­gen zu Al-Nus­ra und ande­ren isla­mis­ti­schen Grup­pen. Zu Ägyp­ten kri­ti­sier­te er eben­falls Wes­ter­wel­le für des­sen Vor­stoß zur Frei­las­sung Moham­med Mur­sis.

Con­tra: Die außen­po­li­ti­schen Stand­punk­te sind kaum einem Wäh­ler prä­sent. Laschet gilt im All­ge­mei­nen als nicht cha­ris­ma­tisch und beweist zu wenig Stand­haf­tig­keit gegen­über Ange­la Mer­kel. Grenzt sich klar von der AfD ab.

 

Horst Seehofer

Pro: Horst See­ho­fer ist ein äußerst erfah­re­ner Uni­ons­po­li­ti­ker. Ihm wer­den in Kon­flik­ten enor­me Ste­her-Qua­li­tä­ten nach­ge­sagt. Er gilt gemein­hin als ärgs­ter Wider­sa­cher Ange­la Mer­kels in den eige­nen Rei­hen. So for­der­te er früh­zei­tig kla­re Signa­le zur Begren­zung der Zuwan­de­rung. See­ho­fer gilt als Befür­wor­ter von Volks­ent­schei­den. Als Innen­mi­nis­ter steht er für eine deut­lich restrik­ti­ve­re Poli­tik als Ange­la Mer­kel. Horst See­ho­fer betont als einer der weni­gen Uni­ons­po­li­ti­ker außer­or­dent­lich häu­fig die gute Arbeit der Poli­zei.

Con­tra: See­ho­fer ist Befür­wor­ter einer unpo­pu­lä­ren PKW-Maut. Wäh­rend der Amts­zeit Mer­kels mach­te er sich ins­be­son­de­re bei kon­ser­va­ti­ven Wäh­lern zum Gespött, da er Mer­kel häu­fig enorm wider­sprach und deut­li­che Kon­se­quen­zen ankün­dig­te, ohne die­se ein­zu­hal­ten. Er wirk­te zeit­wei­se wie ein bay­ri­scher Löwe, der nur brüllt und nicht beißt.

 

Andreas Scheuer

Pro: Andre­as Scheu­er ist wohl so etwas wie der kon­ser­va­ti­ve Pos­ter Boy der CDU/CSU. Inhalt­lich posi­tio­niert er sich deut­lich wei­ter rechts als Ange­la Mer­kel. So äußer­te er bei­na­he Ver­ständ­nis für die PEGI­DA-Demons­tra­tio­nen. Als Bodo Rame­low ers­ter lin­ker Minis­ter­prä­si­dent in Deutsch­land wur­de, bezeich­ne­te Scheu­er dies als „Tag der Schan­de für das wie­der­ver­ei­nig­te Deutsch­land“. Außer­dem bezeich­ne­te er Rame­low als „Top-Agent einer Ex-Sta­si- Con­nec­tion“. Scheu­er erwar­tet von Zuwan­de­ren, dass die­se zwin­gend die deut­sche Leit­kul­tur aner­ken­nen müs­sen. Damit gilt er als einer der vehe­men­tes­ten Wider­sa­cher Mer­kels.

Con­tra: Scheu­er wirkt manch­mal über­heb­lich und weiß mit sei­ner Aus­drucks­wei­se, wel­che an Bier­zelt­re­den erin­nert, zu pro­vo­zie­ren. Es ist unklar, ob sich die Uni­on von einem sol­chen Kanz­ler­kan­di­da­ten Mehr­hei­ten und Sta­bi­li­tät erhofft.

 

Friedrich Merz

Pro: Fried­rich Merz brach­te 2000 den Begriff der deut­schen Leit­kul­tur zur Spra­che. Er kri­ti­siert vor allem die kul­tu­rel­le Kapi­tu­la­ti­on Deutsch­lands vor dem tra­di­tio­nel­len Islam. Merz steht wie kein Ande­rer für eine Steu­er­ent­las­tung der Bevöl­ke­rung ein. Er ver­tritt Posi­tio­nen für eine Libe­ra­li­sie­rung der Wirt­schaft und spricht sich all­ge­mein für Pri­va­ti­sie­rung aus.

Con­tra: Um Fried­rich Merz ist es ver­gleichs­wei­se still. Merz steht in der Tra­di­ti­on der Atlan­tik­brü­cke und ver­tritt damit sehr deut­lich trans­at­lan­ti­sche Posi­tio­nen. Die auf Desta­bi­li­sie­rung fokus­sier­te US-Außen­po­li­tik mit den dar­aus resul­tie­ren­den Asyl­strö­men kom­men­tier­te er nicht. Die von ihm geplan­ten Steu­er­ent­las­tun­gen sol­len durch Kür­zun­gen von Sozi­al­leis­tun­gen ermög­licht wer­den. Merz ist ein Ver­fech­ter unpo­pu­lä­rer Posi­tio­nen wie Gen­tech­no­lo­gie und Kern­kraft.

 

Karl Theodor zu Guttenberg

Pro: Zu Gut­ten­berg galt einst als einer der cha­ris­ma­tischs­ten Poli­ti­ker der Bun­des­re­pu­blik. Er hat­te schon sehr früh eine ableh­nen­de Hal­tung zum EU-Bei­tritt der Tür­kei. Gut­ten­berg gefiel vie­len Wäh­lern auf­grund sei­ner kla­ren Aus­sa­gen und Hal­tun­gen ins­be­son­de­re gegen­über der SPD. Vie­le han­del­ten ihn bereits als zukünf­ti­gen Bun­des­kanz­ler. Nach lan­ger bun­des­po­li­ti­scher Absti­nenz gab er 2017 an, sich wie­der ver­mehrt in der CSU enga­gie­ren zu wol­len.

Con­tra: Mit­in­itia­tor des Aus­set­zens der Wehr­pflicht und Ver­klei­ne­rung der Bun­des­wehr. Das war ein Feh­ler, wie wir heu­te wis­sen. Die Pla­gi­ats­af­fä­re wird ihm immer nach­hän­gen. Gilt als aus­ge­spro­che­ner Lob­by­ist und Trans­at­lan­ti­ker.

Es fällt damit auf: Hin­ter Mer­kel herrscht ein rie­si­ges Loch. Sie hat bis­her kei­nen Nach­fol­ger auf­ge­baut und die CDU bie­tet kei­ner­lei Visi­on für die Zeit nach Mer­kel an. Gera­de die­se Visi­ons­lo­sig­keit kann die AfD als patrio­ti­sche Oppo­si­ti­on nut­zen, um wei­ter zur Uni­on auf­zu­schlie­ßen.

(Bei­trag von Fabi­an Deutsch)

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.